Die Vor-Ort-Betonproduktion mit Tunnelblick.

Ein voll funktionales Betonwerk direkt an – oder besser: in – der Baustelle: Das ist das temporäre Betonwerk im Gotthardtunnel. Eine technische und logistische Meisterleistung, made by KIBAG. Das Betonwerk ist während der Bauarbeiten für die «zweite Röhre» im Betrieb und wird voraussichtlich Ende 2028 wieder zurückgebaut.

Der erste Gotthard Strassentunnel wurde während der Jahre 1970 bis 1980 erbaut. Mit einer Länge von rund 16,9 Kilometern ist er der längste Strassentunnel in den Alpen und der viertlängste Strassentunnel der Welt. Aufgrund des Volksentscheids «2. Röhre» wurden im Jahr 2022 nach mehrjähriger Planung die Hauptbaulose für die Tunnelerstellung Nord und Süd vergeben. Die ARGE «secondo tubo», bestehend aus Implenia und Frutiger, bekam den Zuschlag für das Hauptlos Nord, Los 241. Die Länge beträgt 7,9 Kilometer.

Ein durchdachtes Konzept

Diverse Betonhersteller haben der ARGE ihre Konzepte für die Betonlieferungen vor Ort präsentiert und sich um den Auftrag bemüht. Schlussendlich konnte sich die KIBAG mit ihrem Konzept und ihrer Offerte durchsetzen, was nicht für jeden Marktbegleiter einfach zu akzeptieren war. Doch das Säbelrasseln war erfolglos. Die KIBAG konnte mit ihrem Know-how betreffend Betontechnologie, mit einer spannenden Lösung in Bezug auf die Anlagentechnik und dem dadurch entstehenden attraktiven Preisniveau punkten. Mit diesem Projekt kann KIBAG Baustoffe ihre Grossprojektfähigkeit unter Beweis stellen.

Eine knifflige Angelegenheit

Der Anlagenbau bringt einige Herausforderungen mit sich, da in der Kaverne permanent für rund drei Tage Material (Kies, Zusatzmittel, Zement) als Lagerkapazität zur Verfügung stehen muss. Dies aufgrund der speziellen Lage. Ausserhalb des Berges ist zu wenig Platz vorhanden, und die Lawinengefahr lässt keine freistehende Anlage zu. Durch die vorgegebene Abmessung des Produktionsstollens (124 Meter lang, 17 Meter breit, 15 Meter hoch), war es eine knifflige Aufgabe, die gesamte Anlage inklusive Fahrmischer-Waschplatz und Bojaken-Presse unterzubringen. Die Betriebstechnik konnte jedoch für jede neue Herausforderung eine passende Lösung finden. Die Zusammenarbeit mit der Anlagenlieferantin SIMEM aus Lindau, mit der wir zuvor noch nie ein Projekt realisiert haben, verläuft  sehr gut, und die ARGE bietet auch konstruktive Hilfe, was vieles vereinfacht.

KIBAG Betonwerk schmal1

Anlieferung per Bahn

Die gesamten Zuschlagstoffe (Kies, Perlkies) und Bindemittel (Zement) werden mit der Bahn angeliefert. Dafür werden ein Zementablad mit vier Abladestationen und eine  Kiesabladegosse erstellt, welche die gefor-derten Mengen das ganze Jahr durch fördern kann. Dabei wird die Bahngosse eingehaust und der Kompressor für den Zementablad entsprechend schallgedämmt, um die Lärm- und Staubbelastung zu vermindern. Wir haben das Werk schlüsselfertig bei S IMEM bestellt, welche wiederum die Schweizer Firma Karl Kamer mit der Montage und Inbetriebnahme beauftragt hat.

KIBAG Betonwerk schmal2

Die Montage dauerte bis im März und am 1. April 2024 wurde die Anlage an die KIBAG Produktion übergeben. Ab Herbst 2024 konnten die Tübbing- und Welkproduktion (Werkleitungskanal) sowie der Spritzbetonbedarf mit unserem KIBAG Beton beliefert werden. Die Anlage wird für zirka vier Jahre in Betrieb sein und auf Ende 2028 wieder rückgebaut.  

KIBAG Betonwerk Daniel Kalbermatter

Zahlen und Fakten

  • Mischer 2 x 3,33 m3 Festbeton/Charge
  • Lagervolumen Zuschlagstoffe 2600 m3= 4200 t
  • Lagervolumen Perlkies 875 m3 = 1400 t
  • Zuschlagstoff-Beschickungsleistung 625 m3/h = 1000 t/h
  • Lagervolumen Bindemittel 800 m3 = 960 t
  • Bindemittelbeschickungsleistung 50 m3/h = 60 t/h
  • Lagervolumen Zusatzmittel 40'000 Liter
  • garantierter Festbetondurchsatz der beiden Mischanlagen von 160 m3/h bei 27 Mischerspielen je Mischer

Die Herausforderungen waren infolge der Bauzeit und Platzverhältnisse enorm. Vergleichbare Projekte gab es nicht.

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