Eine Nationalstrasse auf dem Berg
Eine der wichtigsten Verbindungen ins Engadin musste diesen Herbst saniert werden: der Julierpass. Über einen halben Kilometer erneuerten die Bündner den Belag auf der Passstrasse.
Eintrag vom 03.11.2025
Eine der wichtigsten Verbindungen ins Engadin musste diesen Herbst saniert werden: der Julierpass. Über einen halben Kilometer erneuerten die Bündner den Belag auf der Passstrasse.
Eintrag vom 03.11.2025
Unsere Graubündner Kolleginnen und Kollegen sind sich das Bauen an exponierten Lagen in luftigen Höhen und mit Bergkulisse durchaus gewohnt. So zeigt sich Mattia Irniger von den Arbeiten am Julierpass auch nicht besonders beeindruckt. «Unsere Baustelle befindet sich zwar auf 2100 Metern Höhe. Aber diesen Herbst hatten wir Glück mit dem Wetter und den Temperaturen», erzählt der Bauführer aus St. Moritz, der den Belagsersatz im September verantwortete.
Das Besondere – ja eigentlich Einmalige – an diesem Auftrag war: Bauherrin war das Astra, das Bundesamt für Strassen. «Sonst kommen die Aufträge im Engadin ausnahmslos vom Kanton, den Gemeinden oder Privaten», sagt Irniger. Die Koordination sowie die Administration waren für den Bauführer deshalb umfangreicher. Oder wie er es schmunzelnd formulierte: Es war alles etwas bürokratischer mit dem Astra. Denn was viele nicht wissen: Die Strecke Thusis-Süd (ab N13) bis Silvaplana ist als Nationalstrasse N29 klassiert.
Die Arbeiten selbst betrafen einen Abschnitt über 480 Meter. Elf Zentimeter bestehenden Belag frästen die fünf Arbeiter heraus und brachten zwei Schichten neuen Belag ein. Das entspricht einer Fläche von 3800 Quadratmetern. Zum Einsatz kam ein spezieller Deckbelag – ein ACMR8 –, der eigens aus Untervaz über 85 Kilometer antransportiert wurde. 14 Fahrten mit dem Sattelschlepper über die Passstrasse warn hierfür nötig. Der Belag weist eine etwas rauere Oberfläche auf und wird im Unterschied zu handelsüblichem Belag ohne Pneuwalzen, sondern nur mit Glattwalzen verdichtet.
Den Übergang über den Julier mit gut 2284 Metern nutzten die Römer bereits vor 2000 Jahren, um ins Engadin zu gelangen. Heute ist die Passstrasse am Julier die wichtigste Strassenverbindung ins Engadin und ganzjährig befahrbar. Auf der Passhöhe kann man noch heute zwei Säulen eines römischen Heiligtums bestaunen, was den meisten Durchreisenden entgehen dürfte. Denn pro Jahr passieren knapp 1.5 Millionen Fahrzeuge – Autos, Lastwagen, Reisebusse – die Passhöhe. Und diese Lebensader ins Unterland kann natürlich nicht einfach so mal unterbrochen werden. «Die Belagsarbeiten starteten erst nach den Sommerferien und somit in der Nebensaison, so war der Verkehr nicht zu arg.» Die Autos wurden abwechslungsweise über eine Fahrspur geführt - händisch durch einen Verkehrsdienst, ohne Lichtsignalanlage.