Hitzige Nächte am Bahnhof Stadelhofen

Einen hektischeren Tag hätte sich Christian Debrunner, Bauführer im Gussasphalt-Team KIBAG Thurgau, für den Einbau am Bahnhof Stadelhofen kaum aussuchen können. Am 20. April findet das traditionelle Sächsilüüte in Zürich statt. Höhepunkt ist das Verbrennen des Bööggs.

Punkt 21 Uhr legt die KIBAG Mannschaft los. Der Kopf des Bööggs ist genau vor zwei Stunden, 47 Minuten und 12 Sekunden explodiert. Erst jetzt dürfen die Arbeiten aus Sicherheitsgründen beginnen. Alex, der Sicherheitsbeauftragte der SBB, nimmt seine Aufgabe sehr genau. «Ohne mich läuft auf der Baustelle nichts. Das ist eine Vorschrift der SBB», sagt er. Damit keine Zeit verloren geht, wurden die Arbeiten bereits am Vorabend mit ihm detailliert besprochen. Trotz sorgfältiger Planung streikt ein Dumper kurz vor Arbeitsbeginn. Mit gekonnten Tricks und Kniffen gelingt es dem KIBAG Team, die Maschine wieder in Gang zu bringen. Der Gussasphalt wird in die vorgeheizten Dumper abgefüllt. Wie zäher Kaugummi fliesst die 220 Grad heisse, schwarze Masse in die geschlossenen Behälter.

220 Grad für einen reibungs­losen Ablauf

Konzentriert fährt der Maschinist zwischen heimkehrenden Sächsilüüte-Teilnehmenden und einem spanischen Gitarrenduo die rund fünfzig Meter zur Einbaustelle. An diesem Abend braucht es volle Konzentration und hohe Aufmerksamkeit, damit alles reibungslos funktioniert. Die Markierung für Sehbehinderte wurde zuvor entfernt, der Untergrund mit Brennern auf Betriebstemperatur gebracht. Dann beginnt der Einbau. «Von halb eins bis halb fünf dürfen wir auch im kritischen Bereich arbeiten», erklärt Bauführer Christian Debrunner. 

KIBAG Gussasphalt Bhf Stadelhofen Blog 08

Alles, was näher als fünf Meter an den Gleisen liegt, unterliegt noch strengeren Vorgaben. Am Bahnhof Stadelhofen wird der Gussasphalt von Hand verarbeitet. Kübel für Kübel wird dem Vorarbeiter Giuseppe Galatro vor die Füsse geleert. Mit geübten Bewegungen streicht er das Material mit der Talosche glatt. Anschliessend wird Split auf die noch heisse Oberfläche aufgebracht. So entsteht nach dem Abkühlen eine griffige Fläche. Ein Holzkübel wiegt 30 Kilogramm. «Die besonders Starken von uns tragen jeweils zwei gleichzeitig», sagt Christian Debrunner mit einem Schmunzeln.

Zwischen Baustelle und Bahnhofsalltag

Trotz des Trubels arbeitet das eingespielte Team ruhig und effizient. Plötzlich fällt eine Absperrlatte krachend zu Boden. Christian Debrunner meint lakonisch, jemand habe wohl noch seinen Zug erwischen wollen. Er habe beobachtet, wie der Passagier mit gesenktem Kopf unter der Latte hindurchwollte und sie dabei wie ein spanischer Stier zu Boden riss. Der Zug fuhr trotzdem ohne ihn ab. «Jeder hat ein Brett vor dem Kopf. Es ist nur eine Frage der Distanz», kommentiert Christian Debrunner trocken.

Konzentration bis zum letzten Kübel

In etwa ein bis zwei Wochen sollen die Arbeiten am Bahnhof Stadelhofen abgeschlossen sein. «Ich bin froh, wenn bis dahin das schöne Wetter anhält und wir ohne längere Unterbrechungen arbeiten können», sagt Christian Debrunner. Die vielen Menschen rund um die Baustelle stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Trotz des anspruchsvollen Bauumfelds macht ihm die Arbeit Spass. «Wir arbeiten nicht alle Tage an einem derart hoch frequentierten Bahnhof in der Schweiz», sagt Christian Debrunner abschliessend.

Gussasphalt kurz erklärt

Voraussetzungen

  • Tragfähiger und 
    setzungsfreier Untergrund
  • Vollständig trockene und 
    vorgewärmte Unterlage
  • Unmittelbares Abstreuen mit Splitt zur Sicherstellung der Griffigkeit

Eigenschaften

  • Wasserdicht
  • Hohe Verformungsstabilität
  • Sehr widerstandsfähig bei 
    hoher Verkehrsbelastung
  • Lange Nutzungsdauer bei 
    fach­gerechtem Einbau

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