Sondierbohrungen: Wo Luzern tief blicken lässt 

Für den geplanten Durchgangsbahnhof Luzern braucht es verlässliche Informationen aus dem Untergrund. KIBAG Bohrungen liefert sie mit Sondierbohrungen, Spezialversuchen und viel Präzision – mitten in der Stadt, nachts auf dem Perron und mit Teams aus drei Niederlassungen.

Der Bahnhof Luzern ist für die SBB von grosser Bedeutung. Nur in Zürich und Bern steigen täglich mehr Menschen in den Zug als hier. Heute ist Luzern ein Kopfbahnhof. Die Züge können ihn nicht durchfahren. Nach der Einfahrt fahren sie auf derselben Strecke wieder zurück. Die Infrastruktur ist ausgelastet. Zusätzliche Züge können nicht mehr einfahren. Mit dem Projekt Durchgangsbahnhof Luzern will die SBB diesen Engpass in den kommenden zwanzig Jahren beheben. Geplant sind ein Tiefbahnhof sowie zwei neue Tunnel. Der längere der beiden, der Dreilindentunnel, führt unter der Innenstadt und unter dem Vierwaldstättersee hindurch. Auch der neue Tiefbahnhof ist eindrücklich: Im zweiten Untergeschoss entstehen vier Gleise und ein rund 400 Meter langes Mittelperron 

Die Geologie entscheidet

Die Geologie im Bereich des Dreilindentunnels und des Tiefbahnhofs ist bautechnisch äusserst anspruchsvoll. Der Tunnelbau ist hier deutlich komplexer als im festen Fels. Die planenden Ingenieurinnen und Ingenieure sowie die ausführenden Unternehmungen stehen vor grossen Herausforderungen. Viele Fragen lassen sich erst während der Arbeiten beantworten. Da niemand in den Boden sehen kann, liefern Sondierbohrungen die zuverlässigsten Informationen. Entscheidend sind die Proben und Versuche, die im Bohrloch durchgeführt werden. Sie bilden die Grundlage für Planung und Ausführung.

KIBAG Bohrungen im Einsatz

KIBAG Bohrungen durfte bereits Ende 2021 erste Arbeiten ausführen. Die Bohrungen erfolgten sowohl auf dem See ab Ponton als auch an Land. Gemeinsam mit W+S wurden Messsonden im See verlegt, die bis heute stündlich wertvolle Daten liefern. Die Qualität der ausgeführten Arbeiten durch Team Kay und Oli sowie Team Resmi und Hector überzeugte. Im Sommer 2024 fragte die SBB weitere Leistungen an. Im Herbst folgte der Auftrag für zusätzliche Bohrungen. Der Start verzögerte sich mehrmals, da die Zustimmung des Bundesamtes für Verkehr noch ausstand. Im Oktober 2025 war es so weit: Die Projektleiterin der SBB, Claudia Mascetti Donati, gab zusammen mit den Geologen der Keller und Lorenz AG grünes Licht für die zweite Phase.

KIBAG Bohrungen Bahnhof SBB Luzern Perron

Arbeiten unter besonderen Bedingungen

Am liebsten bohren wir im freien Feld und im standfesten Fels. In Luzern ist die Situation anders. Der Platz ist knapp, der Verkehr dicht und die Innenstadt stark frequentiert. Für den zuständigen Bauführer Martin Giger bedeutete das eine anspruchsvolle Organisation. Selbstverständlich wurden die Arbeiten während der Fasnacht unterbrochen. Nach den Bohrungen im Stadtzentrum folgten mehrere Einsätze im Bahnhof. Die Installationen auf dem Perron waren nur nachts möglich. Wo tagsüber Pendlerinnen und Pendler unterwegs sind, arbeiteten nachts unsere Bohrteams mit ihren Geräten. Da das Perron den Rückzugskräften der Bohranlagen nicht standhielt, musste es zusätzlich abgestützt werden. 

KIBAG Bohrungen Bahnhof SBB Luzern Perron 2
Da das Perron den Rückzugskräften der Bohranlagen nicht standhielt, musste es zusätzlich abgestützt werden. 

Mehr als nur Bohrmeter

Selten hat KIBAG Bohrungen in einem Projekt so viele unterschiedliche Versuche und Proben durchgeführt. Zeitweise waren unsere Spezialisten stärker als Versuchsteam denn als klassisches Bohrteam im Einsatz. Ganz nach unserem Motto: «Wir liefern Informationen, nicht Löcher.» Nach einem langen Arbeitstag lagen oft nur wenige Meter Bohrkern bereit. Der Aufwand für die zahlreichen ungestörten Boden- und Felsproben war entsprechend gross. Martin Giger transportierte diese persönlich ins Labor nach Deutschland, da sie möglichst erschütterungsfrei befördert werden müssen. Der Untergrund eignete sich gut für Flachdilatometer-Machetti-Versuche. Auch Rafaela Bernet und Gabriel Graf standen deshalb regelmässig im Einsatz. Der enge Austausch mit den Geologen der Keller und Lorenz AG sowie mit den Labors der ETH und der Fachhochschule Nordwestschweiz brachte wertvolle Erkenntnisse. Das Projekt war in fachlicher Hinsicht ein Gewinn für alle Beteiligten.

Zusammenarbeit über Standorte hinweg

Ein besonderes Highlight war die Zusammenarbeit der Bohrteams aus den drei Niederlassungen Bäch, Wigoltingen und Düdingen von KIBAG Bohrungen. Nur durch dieses Zusammenspiel konnte ein technisch so anspruchsvolles Projekt erfolgreich umgesetzt werden.

KIBAG Bohrungen Bahnhof SBB Luzern Team

Zahlen & Fakten

Technische Daten

  • Anzahl Bohrungen: 21 

  • Tiefste Bohrung im Lockergestein: 60 m 

  • Anzahl DMT (Flachdilatometer): 33 

  • Anzahl SPT: 69 

  • Anzahl PWD: 5 

  • Anzahl ungestörte Proben: 112 

  • Schrägbohrung: 1 

  • Bohrungen auf Perron: 7 

  • Mehr als 40 Pump- und Einfüllversuche 

  • Dazu zahlreiche Einfüll- und Absenkversuche, Geophysik 

Mitarbeitende

  • Team Resmi und Hector 

  • Team Piotr und Erick

  • Team Giovanni und Artur

  • Team Milan und Martin

  • Team Burhan und Francesco 

  • Bauführung: Martin Giger