Graben eigentlich unmöglich 

In Brüttisellen entsteht eine Baugrube, wo Graben fast unmöglich ist. Denn der Untergrund ist voller Wasser – und das steht unter Druck. Doch die KIBAG hat mit einer umschliessenden Schlitzwand und einer tiefliegenden Dichtsohle eine Lösung parat.  

Eintrag vom 04.02.2026

KIBAG Bruettiseller Tor wasserhaltung schlitzwand

Es galt als unbebaubar: das 7500 Quadratmeter grosse Areal in Brüttisellen. Bei diesem etwas unförmigen, spitz zulaufenden Stück Land zwischen der Bruggwiesenstrasse und dem Autobahnzubringer beim Brüttiseller Kreuz war aber weniger die besondere Form das Problem, sondern etwas ganz anderes: das Wasser.  

Problem: Geologie und Wasser 

Der Grund ist die besondere geologische oder eher hydrologische Situation. Es gibt hoch gelegene Grundwasservorkommen, eine Schicht mit wenig tragfähigen Verlandungs- und Deltaablagerungen sowie ein tieferliegendes, unter Druck stehendes Grundwasserstockwerk. Geologen sprechen von so genannt artesisch gespanntem Grundwasser. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Sobald man die tonige, dichte Stauschicht, die das obere Erdreich von dieser unteren Grundwasserschicht trennt, durchstösst, schiesst dieses Grundwasser in einer Fontäne an die Oberfläche. Es sind Druck- und Wassermengen enormen Ausmasses. Nicht umsonst sind die umliegenden Häuser in dieser Gegend allesamt ohne Untergeschoss oder mit kaum Unterbau gebaut. Doch bei diesem Grossprojekt kommt man nicht ohne Arbeiten in der Tiefe aus; es sollen 180 Wohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen entstehen, dies in drei markanten Hochhäusern mit bis zu 74 Metern Höhe.  

Vorgehen: Sondierungen und Überwachung  

Aufwändige Baugrunduntersuchungen fanden bereits im Jahr 2020 durch ein spezialisiertes Ingenieurbüro statt. Dieses nahm Drucksondierungen inklusive Probeentnahmen in unterschiedlichen Tiefen vor. Anschliessend wurden Kernbohrungen abgeteuft und mit jeweils zwei Porenwasserdruckgebern, die der Überwachung der Druckniveaus während der Bauphase dienen, ausgestattet. 

Mit den Arbeiten für die rund 130 x 60 Meter große Baugrube starteten der KIBAG Tief- und Rückbau Winterthur zusammen mit dem Wasser- und Spezialtiefbau im April dieses Jahres. Die Grube wird durch eine Kombination aus Schlitzwand und einer Jetting-Dichtsohle gesichert. Dadurch kann in einer trockenen Baugrube gearbeitet werden. Damit der imposante Neubau in diesem schwierigen Terrain stabil steht und nicht absackt, kommt eine kombinierte Pfahl-Platten-Fundation zum Einsatz, welche die Lasten optimal verteilt und Setzungen minimiert. 

Hier muss ein Team ans Werk, das sich mit solchen Gegebenheiten generell und der Schlitzwandtechnik im Besonderen auskennt.

Daniel Bucher Leiter Ausführung beim Wasser- und Spezialtiefbau

Die Lösung: Umschliessende Schlitzwände 

Daniel Bucher, Leiter Ausführung beim Wasser- und Spezialtiefbau, sagt: «Hier muss ein Team ans Werk, das sich mit solchen Gegebenheiten generell und der Schlitzwandtechnik im Besonderen auskennt.» Schlitzwände sind eine besondere Form der Baugrubensicherung. Dabei wird mit einem speziellen Greifer ein Schlitz ausgehoben, welcher mit einer Stützflüssigkeit – hier eine Bentonit-Suspension – vor dem Zusammenfallen geschützt wird. Anschliessend wird der Schlitz mit Beton gefüllt und bildet so eine umschliessende, eigentliche Wanne rund um die Baugrube.  Das Verfahren ist aufwändig, zeit- und materialintensiv und somit natürlich teuer.  

In der Schweiz gibt es nur wenige Unternehmen, die diese Technik beherrschen. Eines davon ist die KIBAG. Nach dem Projekt auf dem Giessenareal in Wädenswil und einem speziellen Schachtbauwerk in einer bestehenden Produktionshalle in Sennwald ist der Auftrag in Brüttisellen der dritte, den die KIBAG mit dem im 2022 integrierten Team umsetzt – und so natürlich eine weitere wertvolle Referenz für künftige Aufträge ins Portfolio schreibt.  

«Bei diesem Projekt braucht es wirklich Profis – vom Planungsbüro bis hin zur Ausführung», sagt auch der Projektleiter Claudio Hofstetter. «Die hydrologischen Verhältnisse sind äusserst anspruchsvoll. Sollte ein Fehler passieren, ist im schlechtesten Fall mit beachtlichen Setzungen in der Umgebung zu rechnen. Das könnte zu Schäden bei umliegenden Gebäuden und Strassen führen.» Der W+S bringe aber die Kompetenz und Erfahrung mit, um das Projekt ohne Zwischenfälle zu stemmen. 

Alles «nur» für die Baugrube 

Die Arbeiten an der Schlitzwand konnten im Herbst 2025 abgeschlossen werden. Schon im August folgte der Start der Dichtsohle im Jettingverfahren, welche durch einen Subunternehmer erstellt wurde.  Dicht darauf folgten die Fundationspfahlarbeiten im Schneckenortbeton-Verfahren, die Grundwasserabsenkung mittels Wellpoint sowie die Baugrubenaussteifungen aus Stahl.  Alles Vorbereitungsarbeiten für den Baugrubenaushub, der seit Februar bis im Herbst 2026 läuft. Anschliessend startet der Hochbau. Der Bezug ist auf Anfang 2030 geplant.  

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