Eröffnung Baustoffcity: Ein Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft ist erreicht

Am 5. und 6. September feierte die Baustoffcity in Weinfelden ihre offizielle Eröffnung mit einem Kundenanlass und einem Tag der offenen Tür. Die Baustoffcity auf einem Areal von fast zehn Hektar füllt eine Lücke im Baustoffkreislauf in der Ostschweiz: Denn neu kann auf dem Areal sämtliches Aushub- und Abbruchmaterial angenommen und weiterverarbeitet werden.

Entrée de 01.04.2026

Nachhaltigkeit mit system blog

Samstag, 6. September, den Eröffnungsevent der Baustoffcity und verfolgten interessiert, was auf dem riesigen Areal eigentlich getan wird. Sie erfuhren, dass dank einer nagelneuen Aufbereitungsanlage für Aushub- und Rückbaumaterialien pro Jahr etwa 80 000 Tonnen recycelter Kies entstehen. Die gewonnenen Sand- und Kieskomponenten werden im ebenfalls frisch errichteten Betonwerk der KIBAG, das seit August 2024 in Betrieb ist, zur Betonproduktion weiterverwendet. Auf diese Weise können die Primärressourcen, die in der Region abgebaut werden, geschont werden. Derzeit baut die KIBAG pro Jahr zwischen 100 000 und 120 000 Tonnen Kies in der Region ab, die in den eigenen Betonwerken in St. Gallen und Weinfelden eingesetzt werden. «Nachhaltiges Bauen und der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen werden immer wichtiger», sagt KIBAG Regionalleiter Daniel Bänziger. «Dies hat bei uns zum Entschluss geführt, dass neben dem notwendigen neuen Betonwerk eine Aufbereitungsanlage für Aushub- und Abbruchmaterial zentral ist für die Region.»

Permanente Speicherung von CO₂

Auch ist es dank einer innovativen Anlage der Firma Neustark möglich, Kohlendioxid (CO₂) permanent im Recycling-Baustoff Beton zu speichern und somit der Atmosphäre zu entziehen. Das so behandelte Granulat wird als Kiesersatz bei der Herstellung von Recycling-Beton verwendet, wodurch das CO₂ permanent gebunden bleibt. Sämtliche neuen Bauten auf dem Areal wurden mit Recycling-Beton errichtet, um die Machbarkeit zu demonstrieren.

Erste Aufbereitungsanlage im Thurgau

Unter Berücksichtigung der Vorgaben des Kantons Thurgau und seines «Konzepts für den Einsatz von Recyclingmaterial im Hoch- und Tiefbau» wird der zukünftige Bedarf an Recycling-Produkten und Recycling-Granulaten für private und öffentliche Bauprojekte der Region nachhaltig abgedeckt. Der Kanton Thurgau wird so eine führende Rolle in der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft einnehmen können.

Das Areal der Baustoffcity verfügt zudem über einen Bahnanschluss, der es ermöglicht, die erwarteten Massenströme gegebenenfalls umweltfreundlich auch über längere Distanzen zu transportieren. Für die lokale Versorgung kommen die Elektro-Lkw-Flotten der Kooperationspartner KIBAG und TIT Imhof zum Einsatz.

Lösungen mit Weitblick

Es geht vorwärts – auch mit Contracting-Modellen: Ein externer Anbieter übernimmt Planung, Finanzierung und Bau der Anlage, die KIBAG bezieht den Strom zu einem fixen Preis über viele Jahre hinweg. «So haben wir in Regensdorf eine der grössten Anlagen  des Kantons Zürich realisiert – mit über 1,2 Megawattpeak Leistung», sagt Lukas Bachmann stolz. In Weinfelden wiederum wurde die PV-Anlage als Projekt der Betriebstechnik durchgeführt. Vier PV-Anlagen liefern dort heute sauberen Strom direkt vor Ort.

Eigenverbrauch im Zentrum

Im Fokus steht stets der Eigenverbrauch. «Unsere Anlagen sind bewusst darauf ausgelegt, dass der produzierte Strom im Betrieb genutzt wird. Einspeisung ins Netz lohnt sich heute und sicher auch in naher Zukunft wirtschaftlich meist nicht mehr», erklärt Lukas Bachmann. Angesichts stabiler Strompreise sei es zielführender, gezielt in Entlastung, statt in Überschuss zu investieren. Auch Batteriespeicher gewinnen an Bedeutung – nicht für komplette Autarkie, sondern für eine intelligente Lastverteilung.

Photovoltaik mit Perspektive

«Photovoltaik ist nicht unser Kerngeschäft – aber ein wichtiges Puzzlestück unserer Energiezukunft», so Lukas Bachmann. Die KIBAG setzt dort auf Solarenergie, wo es zur strategischen Ausrichtung passt: zur Reduktion des CO2-Fussabdrucks, zur Versorgung von elektrifizierten Baumaschinen oder zur Unterstützung der Mobilitätswende.

Neubauten als Chance

Besonders effizient lässt sich PV bei Neubauten integrieren. «In der Baustoff-City haben wir Dachlasten, Sicherungsabgänge und Anschlussmöglichkeiten von Beginn an mitgedacht. So funktioniert nachhaltiges Bauen heute», sagt Lukas Bachmann. Ganz anders sieht es bei bestehenden Gebäuden aus: Hier muss jede einzelne Komponente geprüft und bei Bedarf ersetzt werden. «Da geht es rasch um beträchtliche Summen – ein Aspekt, der oft unterschätzt wird.»

Energieeffizienz zählt doppelt

Neben der Produktion steht auch der Verbrauch im Fokus. Die KIBAG arbeitet seit Jahren mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) zusammen und optimiert laufend die Energieeffizienz ihrer Anlagen. «Jede eingesparte Kilowattstunde zählt – denn was wir nicht verbrauchen, müssen wir weder kaufen noch erzeugen», bringt es Bachmann auf den Punkt.

Nachhaltiges Bauen und der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen werden immer wichtiger.