Grösse benötigt Planung
Die Dimensionen sprechen für sich: 80 000 Quadratmeter Installationsfläche, 9,8 Kilometer Baustrasse, über 16 Grossbagger, bedeutende Ingenieurbauten und ein laufender Taktplan – in der ARGE 4-Spur geht nichts ohne sorgfältige Vorbereitung. «Das Trassee ist das Rückgrat der neuen Infrastruktur», sagt Robin Goldinger, Bauführer bei der KIBAG. Die Baustelle ist in 23 Abschnitte unterteilt, für die jeweils eigene Bauführer und Poliere verantwortlich sind. Vom Erdabtrag bis zur Leitungsmontage laufen alle Arbeiten parallel. Besonders anspruchsvoll sind vier grosse Ingenieurbauten, darunter Überführungen und Wildtierquerungen für Kantonsstrassen. «Diese Bauwerke sind der kritische Pfad – erst wenn sie stehen, können wir mit dem Haupttrassee weiterfahren», so Goldinger.
Maschinenpower und Fingerspitzengefühl
18 Raupenbagger von 2,5 bis 70 Tonnen, zwei Dozer, ein Trax, drei Grossdumper, fünf Walzenzüge, ein Belagsfertiger, fünf Doppelvibrowalzen und mehrere Kleinmaschinen wie Dumper und Pneulader sowie acht Pneubagger-Teams sind gleichzeitig im Einsatz. Zudem fahren 50 Lastwagen auf der Baustelle. Das erfordert eine durchdachte Disposition und ein sicheres Verkehrsregime.
Vielschichtige Herausforderungen
Neben der KIBAG sind in der ARGE 4-Spur auch Marti Zürich und Hagedorn im Einsatz – insgesamt wirken bis zu 120 Personen mit, darunter bis zu 58 von der KIBAG. Auch die Umwelt bleibt im Fokus: «Wir achten auf Wildtiere, arbeiten eng mit Umweltschutzteams, sichern Grundwasserstellen – und wenn nötig nehmen wir auch mal eine Spur zurück.» Mit der Landwirtschaft wird der Austausch ebenfalls aktiv gepflegt: «Die Bauern sind informiert, es geht darum, Flächen zu nutzen und zurückzugeben», sagt Robin Goldinger.
«Besucher» auf dem Trassee
So sorgfältig abgesperrt die Baustelle auch ist, es kommt immer wieder zu Begegnungen, die es in sich haben. «Trotz Absperrungen laufen Leute einfach über das Trassee oder fahren mit dem Velo durch die Baustelle», berichtet Robin Goldinger. Gerade für Maschinenführer und Logistikteams ist dies eine Herausforderung. In brenzligen Situationen sucht man das Gespräch. «Wir erklären geduldig, dass man aus Sicherheitsgründen gerade nicht passieren kann.»
Böden, die den Takt vorgeben
Der Boden gibt den Takt vor. «Wir unterscheiden zwischen A-, B- und C-Boden», erklärt Robin Goldinger. «Der A-Boden ist der fruchtbare Mutterboden. Den nehmen wir als Erstes ab und lagern ihn separat für die spätere Rekultivierung.» Dabei wird darauf geachtet, dass die Lagerung möglichst schonend erfolgt und der Boden nicht langfristig verdichtet wird. Darunter liegt der sogenannte B-Boden – mineralisch, dichter, aber empfindlich. «Darauf dürfen wir nicht fahren. Er würde zu stark verdichtet – und das hätte Folgen für die spätere Nutzung.» Erst beim C-Boden, dem tragfähigen Untergrund, dürfen die Maschinen wirklich loslegen. «Dort haben wir die nötige Stabilität, um mit schwerem Gerät zu arbeiten», so Goldinger. Diese Differenzierung schützt nicht nur Umwelt und Bodenstruktur, sondern macht auch logistisch Sinn: «Je früher der Humus weg ist, desto rascher können wir in den nassen und kalten Monaten arbeiten.»
Bauarbeiten dauern an
Der Doppelspurausbau in Andelfingen wird 2029 abgeschlossen sein. Teilabschnitte werden bereits vorher freigegeben, denn so kann man das Trassee der bestehenden N4 mit allen Kunstbauten sanieren.