Tiefenreinigung eines Einfamilienhauses

Gebäude und Liegenschaften sollten nicht nur von aussen, sondern wortwörtlich auch von innen unterhalten werden. Eine Spülung aller Regen- und Abwasserleitungen ist in regelmässigen Abständen notwendig. Wie dies abläuft, zeigen wir am Beispiel dieses Zürcher Einfamilienhauses.

Eintrag vom 08.01.2026

Kanalunterhalt slideshow blog 570

Das Fahrzeug der KIBAG Entwässerungstechnologie fuhr auf die Minute pünktlich vor dem Haus im beschaulichen Zürcher Aussenquartier ein. Wobei: Es kamen eigentlich zwei Fahrzeuge: das kleine Spülfahrzeug, das bei normalen Privathäusern üblicherweise ausreicht, und der Sauganhänger, der den Schlamm aus dem Hofsammler absaugt und dann zur Entsorgung bringt. Beide Fahrzeuge werden übrigens vollelektrisch und somit umweltfreundlich betrieben.

Service fürs Gebäude

Der Grund für den Besuch: Das Einfamilienhaus war in diesem Jahr gerade zehn Jahre alt geworden, eine Leitungsspülung somit überfällig. Denn abgesehen von kleineren Spülungen des Küchenablaufs, die jeweils durch den Sanitär vorgenommen wurden, waren die Leitungen – Badabläufe, Fallstränge, Regenwasser- und Sickerwasserleitungen sowie Schlammsammler – in den zehn Jahren weder geprüft noch gespült worden. Den Hausbesitzern war es schlicht entgangen, dies vornehmen zu lassen. «Während professionelle Liegenschaftsverwaltungen hier mehrheitlich nach Lehrbuch vorgehen, ist vielen privaten Eigentümern nicht bewusst, dass auch im Privathaus Leitungen regelmässig gespült werden sollten», erklärt Entwässerungspraktiker Irfan Caner, der an diesem Tag zusammen mit dem Lernenden Jaden im Einsatz stand.

«Schliesslich wurde das gesamte Entwässerungssystem im und ausserhalb des Gebäudes kostspielig erstellt und kann durch regelmässige Reinigung länger genutzt werden», erzählt Irfan Caner weiter. «Es ist ein Werterhalt wie bei Fahrzeugen der regelmässige Service.» Dichte, saubere Leitungen schützten vor Verunreinigungen und nicht nur vor überschwemmten Kellern oder Wohnungsabläufen. Auch das Grundwasser werde dadurch geschützt

«Eine Gebäudespülung ist ein Werterhalt wie bei Fahrzeugen der regelmässige Service.»

Irfan Caner Entwässerungstechnologe

Wir oft sollte man ein Gebäude spülen?

Wie oft Leitungen gespült werden sollten, lässt sich allerdings gar nicht so leicht beantworten. Ist ein Einfamilienhaus beispielsweise von grossen Bäumen umgeben, kann Laub oder anderes Material schnell zu Verschlammungen und Verstopfungen in Terrassenabläufen, Sickerwasserleitungen und Schächten führen. Gerade ein Hofsammler, also der Schacht, in dem sich das ganze Gebäudewasser sammelt, bevor es in die öffentliche Kanalisation geleitet wird, muss regelmässig abgepumpt werden, da dort festes Material absinkt und sich ansammelt. Empfohlen wird eine Spülung alle zwei bis fünf Jahre (s. Tabelle). Auch Zementplatten, die Kalkausblähungen bilden, verstärken das Risiko einer Verstopfung.

Ist man unsicher und möchte nicht gleich mit dem grossen Geschütz auffahren, empfiehlt sich eine vorgängige Prüfung mit einer Kamera. Je nach Leitungen greift der Entwässerungstechnologe zur Kofferkamera – für Rohre im Gebäudeinnern – oder zu einer Schwenkkopfkamera für Leitungen ab zehn Zentimetern Durchmesser, also beispielsweise bei den Regenwasserleitungen. Dieses Kanal-TV, das auch in grösserem Massstab im öffentlichen Kanalnetz zum Einsatz kommt, bringt so manch Unerwartetes zutage.

Spülung von innen nach aussen

Doch wie geht die Spülung im besagten Zürcher Einfamilienhaus nun vonstatten? Entwässerungspraktiker Irfan Caner und der angehende Entwässerungstechnologe Jaden arbeiten üblicherweise von innen nach aussen und von oben nach unten. Im konkreten Fall prüften sie als Erstes auf der Dachterrasse die Abflüsse und stellten fest: Weder Zementplatten noch hohe und stark laubwerfende Bäume stellen ein besonderes Risiko für Verschmutzungen dar. In den Bädern und in der Küche drangen sie mit der Bohrspirale in die Leitungen ein. Die Bohrspirale ist am Kopf mit einer Kette versehen, die rotiert und dadurch auch hartnäckige Verstopfungen lösen kann. Und so arbeiteten sie sich vor bis in den Aussenbereich, wo sie auch ein Auge auf die Sickerleitungen warfen. Sind Sickerleitungen verstopft, erfüllen sie ihre Funktion nicht mehr. Dann stehen Wände des Gebäudes im Wasser; dies führt zu enormen Feuchtigkeitsproblemen. Deshalb empfiehlt es sich, auch Sickerleitungen maximal alle drei Jahre zu reinigen.

Kurz vor Abschluss der kompletten Unterhaltsspülung warfen die Spezialisten einen Blick in die Schächte, die das Regenwasser von Dach und Terrassen sammeln, bevor das Wasser weiter in die Kanalisation geleitet wird. Zum Schluss kam dann der besagte Anhänger zum Einsatz, der den Hofsammler oder Strassensammler, wie er auch genannt wird, reinigte. «Die Spülung eines Einfamilienhauses nimmt je nach Grösse höchstens zwei Stunden in Anspruch», erklärte Caner zum Abschluss.

Glück für die Auftraggeber: Auch nach zehn Jahren waren die Leitungen und Schächte in besserem Zustand, als sie es erwartet hatten. Trotzdem werden sie die KIBAG Entwässerungstechnologie das nächste Mal früher wieder aufbieten.