Wir oft sollte man ein Gebäude spülen?
Wie oft Leitungen gespült werden sollten, lässt sich allerdings gar nicht so leicht beantworten. Ist ein Einfamilienhaus beispielsweise von grossen Bäumen umgeben, kann Laub oder anderes Material schnell zu Verschlammungen und Verstopfungen in Terrassenabläufen, Sickerwasserleitungen und Schächten führen. Gerade ein Hofsammler, also der Schacht, in dem sich das ganze Gebäudewasser sammelt, bevor es in die öffentliche Kanalisation geleitet wird, muss regelmässig abgepumpt werden, da dort festes Material absinkt und sich ansammelt. Empfohlen wird eine Spülung alle zwei bis fünf Jahre (s. Tabelle). Auch Zementplatten, die Kalkausblähungen bilden, verstärken das Risiko einer Verstopfung.
Ist man unsicher und möchte nicht gleich mit dem grossen Geschütz auffahren, empfiehlt sich eine vorgängige Prüfung mit einer Kamera. Je nach Leitungen greift der Entwässerungstechnologe zur Kofferkamera – für Rohre im Gebäudeinnern – oder zu einer Schwenkkopfkamera für Leitungen ab zehn Zentimetern Durchmesser, also beispielsweise bei den Regenwasserleitungen. Dieses Kanal-TV, das auch in grösserem Massstab im öffentlichen Kanalnetz zum Einsatz kommt, bringt so manch Unerwartetes zutage.
Spülung von innen nach aussen
Doch wie geht die Spülung im besagten Zürcher Einfamilienhaus nun vonstatten? Entwässerungspraktiker Irfan Caner und der angehende Entwässerungstechnologe Jaden arbeiten üblicherweise von innen nach aussen und von oben nach unten. Im konkreten Fall prüften sie als Erstes auf der Dachterrasse die Abflüsse und stellten fest: Weder Zementplatten noch hohe und stark laubwerfende Bäume stellen ein besonderes Risiko für Verschmutzungen dar. In den Bädern und in der Küche drangen sie mit der Bohrspirale in die Leitungen ein. Die Bohrspirale ist am Kopf mit einer Kette versehen, die rotiert und dadurch auch hartnäckige Verstopfungen lösen kann. Und so arbeiteten sie sich vor bis in den Aussenbereich, wo sie auch ein Auge auf die Sickerleitungen warfen. Sind Sickerleitungen verstopft, erfüllen sie ihre Funktion nicht mehr. Dann stehen Wände des Gebäudes im Wasser; dies führt zu enormen Feuchtigkeitsproblemen. Deshalb empfiehlt es sich, auch Sickerleitungen maximal alle drei Jahre zu reinigen.
Kurz vor Abschluss der kompletten Unterhaltsspülung warfen die Spezialisten einen Blick in die Schächte, die das Regenwasser von Dach und Terrassen sammeln, bevor das Wasser weiter in die Kanalisation geleitet wird. Zum Schluss kam dann der besagte Anhänger zum Einsatz, der den Hofsammler oder Strassensammler, wie er auch genannt wird, reinigte. «Die Spülung eines Einfamilienhauses nimmt je nach Grösse höchstens zwei Stunden in Anspruch», erklärte Caner zum Abschluss.
Glück für die Auftraggeber: Auch nach zehn Jahren waren die Leitungen und Schächte in besserem Zustand, als sie es erwartet hatten. Trotzdem werden sie die KIBAG Entwässerungstechnologie das nächste Mal früher wieder aufbieten.