BIM bei der KIBAG: Anwendung im Spezialtiefbau

BIM macht auch im Spezialtiefbau Sinn. In einem Pilotprojekt in Zürich zog man positive Erkenntnisse. Es wurde (fast) ausschliesslich modellbasiert gearbeitet. Ein Plan auf Papier lag bloss für den Notfall vor. Benötigt wurde er nicht. 

Eintrag vom 01.12.2025

KIBAG BIM Digitalisierung

Die KIBAG Infra arbeitet seit mehreren Jahren mit BIM. An der Segantinistrasse in Zürich erfolgte die Realisierung erstmalig nahezu komplett modellbasiert und somit papierlos. Bei dem Projekt, das im Frühjahr 2023 ausgeführt wurde, handelt es sich um einen Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern samt Tiefgarage. Das Grundstück befindet sich in leichter Hanglage in einem stark bebauten Gebiet oberhalb der Stadt

Wir hatten bei diesem Projekt den Anspruch, wirklich alles digital zu machen, auch die interne Koordination und die Kommunikation.

Pascal Russer Projektleiter KIBAG Infra

Kommunikation über BIMplus

«Wir hatten bei diesem Projekt den Anspruch, wirklich alles digital zu machen, auch die Kommunikation», erklärt Pascal Russer, Projektleiter bei der Infra. «Dies, um für künftige Projekte eine ortsunabhängige Bearbeitung zu etablieren.» So erfolgte der intensive Austausch mit der internen Ingenieurabteilung über die Kommunikationsplattform Bimplus. Auch stark involviert war der Polier Reno Meinel, um zu definieren, was optimalerweise im Modell erkennbar sein und welche Informationen es umfassen sollte. «Für mich war es wichtig, die Nummerierung der Träger als Text direkt im Modell zu sehen», schildert er ein Beispiel. Oder eine textliche Visualisierung der Gefälle brachte er als Verbesserung ein. Solche Details wurden laufend umgesetzt, um die Arbeit für alle Seiten möglichst praktikabel zu gestalten. «Man merkt schliesslich erst in der praktischen Umsetzung, was funktioniert und was nicht.»

KIBAG BIM container 1
Der Zugriff auf das Modell erfolgte dabei jeweils im BIM-Container.

BIM-Container anstatt Papierpläne

Erforderliche Informationen, Messungen oder Schnitte konnte Reno Meinel direkt über das Modell auslesen oder messen. Der Zugriff auf das Modell erfolgte dabei jeweils im BIM-Container, der mit einem grossen Bildschirm ausgestattet ist. Der Container lässt sich bei jedem Wetter nutzen und einfach mit einem Bagger oder Kran (um-)platzieren. «Genutzt habe ich natürlich auch das Tablet. Beim Handy stiess das System allerdings an seine Grenzen, da Bimplus webbasiert und nicht über eine App läuft. Das wird auf dem Handy dann sehr unübersichtlich.»

Ein (aus dem Modell abgeleiteter) ausgedruckter Plan war lediglich als Notlösung vorhanden, kam jedoch ausschliesslich bei Subunternehmen zum Einsatz, die nicht speziell durch die KIBAG im Umgang mit dem Modell geschult worden waren. Anhand des Ausführungsmodells wurden darüber hinaus auch die 3D-Maschinensteuerungen für die Bagger aufbereitet sowie die Ausmasse für Materialbestellungen und ein Soll-Ist-Vergleich durchgeführt.

KIBAG BIM Digitalisierung2
Erforderliche Informationen, Messungen oder Schnitte konnte der Polier direkt über das Modell auslesen oder messen

Viel gelernt mit positivem Fazit

«Für mich vor Ort ist es ein riesiger Vorteil, dass ich alle Informationen in einem einzigen Modell habe», zeigt sich Polier Reno Meinel begeistert. «Konventionell hat man sonst verschiedene Pläne für die Werkleitungen, die Kanalisation, die Baugrube etc.» Ein weiterer Vorteil: Man kann reinklicken und beispielsweise die Erdsonde schon mal reinsetzen. «Allfällige Konflikte zeigts dir unmittelbar an.» Und alle Infos, die in dem Moment nicht wichtig sind, kann man ausblenden. «Das vereinfacht mir die Arbeit ungemein.» Einzige Einschränkung: «Das Modell muss natürlich gut gemacht sein. Das war an der Segantinistrasse, wo die KIBAG das Modell selbst erstellt hat, glücklicherweise der Fall.» Für Pascal Russer kann es ohnehin nicht genug schnell vorwärts gehen mit BIM. 

«Sehen wir bei Projekten bereits in der Ausschreibungsphase Optimierungsmöglichkeiten, reichen wir regelmässig modellierte Unternehmervarianten ein um das Potential zusätzlich zu visualisieren. Daraus lassen sich die Mengen fürs Leistungsverzeichnis einfach generieren und es ist natürlich auch zum Erklären gegenüber dem Auftraggeber attraktiv, da dieser ein visualisiertes Modell erhält.» Nicht nur an der Segantinistrasse, sondern beispielsweise beim Projekt Diamant in Winterthur überzeugten die modellierten Unternehmervarianten. Mit BIM ausgeführt wurden in der Vergangenheit schon die Buswendeschlaufe an der Mühlackerstrasse in Zürich und die Bushaltestelle an der Kern-/Langstrasse, wo die Stadt als Auftraggeberin sogar sämtliche Fachprüfungen übers Modell erledigen konnte.

Für mich vor Ort ist es ein riesiger Vorteil, dass ich alle Informationen in einem einzigen Modell habe.

Reno Meinel Polier KIBAG Tief- und Rückbau

Modell gut, alles gut

«Man könnte noch viel mehr machen», sagt Russer. Man müsse aber auch die Grenzen kennen. Eine Grundvoraussetzung ist eine stabile Internetverbindung auf der Baustelle. Und die Poliere müssen sich an eine neue Arbeitsweise gewöhnen; so kann man sich nicht schnell mal mit dem Bleistift etwas auf dem Plan notieren. Dafür sind sämtliche Mengeninformationen im Modell, welche gefiltert und automatisch ausgelesen werden können. «Heute ist es auch so, dass nicht alle Planer geübt sind mit dem Modellieren. So kommt es nicht selten zu Verzögerungen, weil der Planer den Aufwand für die Modellierung unterschätzt. Am liebsten erstellen wir das Modell deshalb selbst» sagt Russer lachend. «So können wir auch optimal auf die Bedürfnisse und Wünsche der Bauführer und Poliere eingehen und bestmöglich zur Seite stehen.»

Computer im Bagger: Auch die Baustelle wird digital.

Eine ganze Radiosendung widmete Radio SRF dem Thema Digitalisierung im Bau. Unser Maschinist Boris Ceccon gibt einen Einblick in den Baualltag. 

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